Sicherheit für Klein- und Mittelbetriebe

 

Im englischen Sprachgebrauch wird beim Thema „Sicherheit“ zwischen Security und Safety unterschieden. Leider gibt es diese sprachliche Aufteilung im deutschprachigen Raum nicht.

Daher wird das Wort Sicherheit unterschiedlichst verstanden. Im privaten Bereich werden oftmals ein sicherer Arbeitsplatz, ein geregeltes Einkommen, das allgemeine Wohlgefühl oder das Gefühl des Unbedrohtseins und das Wirken von Schutzmassnahmen, wie beispielsweise das Verschließen und Versperren von Fenstern und Türen als sicher empfunden.


Für Verantwortliche von Klein- und Mittelunternehmen bedeutet Sicherheit für Unternehmen oftmals nur der physische Schutz vor Einbruchsdiebstahl. Diese Betrachtungsweise kann jedoch gefährliche Konsequenzen mit sich ziehen, da eine vernachlässigte Sicherheitspolitik Unternehmen starken wirtschaftlichen und imagemäßigen Schaden zufügen und sich im Extremfall sogar existenzbedrohend auswirken kann.

Dieser Beitrag widmet sich daher dem Sicherheitsthema aus der Sicht von Wirtschaftsbetrieben, im Speziellen von Klein- und Mittelbetrieben.


Eingangs wird der Unterschied zwischen Security und Safety erläutert, da beide Bereiche von großer Bedeutung für jedes Unternehmen sind.

Security

Security befasst sich mit vorbeugenden Maßnahmen gegen den Eintritt von Ereignissen (Handlungen, Delikten und anderen unerwünschten Zuständen), die durch Personen oder Personengruppen in böswilliger Absicht gegen Unternehmen oder Organisationen (Firmenleitung, Mitarbeiter, Infrastruktur) begangen werden, sowie mit der Begrenzung oder Beherrschung solcher Vorfälle und des daraus resultierenden Schadens.

So fallen unter den Bereich Securitymaßnahmen Vorkehrungen gegen Einbruch, Diebstahl, Raub, Erpressung, Vandalismus (Sachbeschädigungen), gefährliche Drohungen und Körperverletzungen.


Safety

Safety hingegen befasst sich mit vorbeugenden Maßnahmen gegen den Eintritt von Ereignissen (Vorfällen, Unfällen und anderen unerwünschten Zuständen), die ihren Ursprung in nichtbeabsichtigten menschlichen und/oder technischen Unzulänglichkeiten haben, sowie mit der Begrenzung oder Beherrschung solcher Vorfälle und mit allgemeinen Problemen der Arbeitssicherheit.

Solche Ereignisse können Arbeitsunfälle, medizinische Notfälle, Paniken auf Grund eines Brandes, Erdbebens usw. sein.


Alleine durch diese zwei Definitionen lässt sich erkennen, dass Sicherheit für Unternehmen eine weitläufige und umfassende Bedeutung hat.

 

Betrachtet man den Bereich Security, so sollten sich Unternehmer ernsthaft die Frage stellen, ob sie genügend Vorsorge gegen Einbruch, Diebstähle und weitere intentionale Gefahren getroffen haben. Häufig wird davon ausgegangen, dass in einem Betrieb ohnehin nicht viel zu holen ist, was bei genauerer Betrachtung keinesfalls zutrifft. Ein weithin verbreiteter Fehler ist, bei der Kalkulation möglicher Schäden lediglich Geld- und Sachwerte zu berücksichtigen. Das Abhandenkommen immaterieller Werte kann ebenfalls beträchtliche Auswirkungen auf ein Unternehmen haben, die oft sogar fataler sein können, als der ledigliche Verlust materieller Güter.

So kann es für ein Unternehmen sehr schädlich sein, werden beispielsweise Kundendaten und Kundeninformation gestohlen. Nicht nur, dass dem Betrieb die abhandengekommenen Daten für den reibungslosen und erfolgreichen Betrieb fehlen, auch der Umstand, dass diese Daten über moderne Medien (wie beispielsweise das Internet) einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, kann ein Krisenszenario auslösen.

Ähnlich verhält es sich mit Preiskalkulationen, kommen diese in die Hände von Kunden oder Mitbewerbern, kann das immense Folgeschäden nach sich ziehen.

Diesem komplexen Thema sollte mit Datensicherungen, so genannten Backup´s, und externen Datenauslagerungen seriös begegnet werden. Demnach sind in einem Unternehmen jedenfalls Computeranlagen als besonders gefährdet anzusehen.


Als übergeordnete einfache Sicherheitsmaßnahmen gegen Einbruchsdiebstahl zählen nach wie vor jedenfalls eine vollelektronische Einbruchsmeldeanlage sowie qualitativ hochwertige mechanische Sicherungseinrichtungen.

Diebstähle während der Öffnungszeiten von Betrieben bergen weiters die Gefahr, dass neben „Tagesinformationen“ auch persönliche Gegenstände von Mitarbeitern Ziel der Täter sind. Kommt es zu Diebstählen, kann dadurch das Betriebsklima erheblichen Schaden erleiden, was sich letztendlich wiederum in der Produktivität der Mitarbeiter niederschlägt. Mit einfachen präventiven Maßnahmen, wie dem Versperren von nicht durch Mitarbeiter besetzen Bereichen, dem Implementieren von Sperrreglungen für Pausenzeiten und dem gewissenhaften Versperren von Bürotüren beim Verlassen der Räumlichkeiten kann dieser Gefahr effizient entgegengewirkt werden.

Ein weiterer Ansatz für KMS´s ist, sich ehrlich und eingehend mit der Frage zu beschäftigen, ob der Betrieb in Hinblick auf Raubüberfälle gefährdet sein könnte. Waren vor einigen Jahren nur Bankinstitute Ziel derartiger Übergriffe, so kommt es im Lauf der nahen Vergangenheit immer öfter vor, dass Juweliere und Uhrmacher, Trafiken, Supermärkte, Baumärkte und ähnliche Betriebe von Raubüberfällen betroffen sind. Hierbei gilt es mögliche Opfer zu sensibilisieren und Überfallszenarien durchzuspielen, um im Notfall nicht aus Unbesonnenheit und Unwissenheit heraus falsch zu reagieren. Folgender Grundsatz sollte stets oberstes Gebot sein:

„Leben, Gesundheit und Unversehrtheit von Personen geht über Werteschutz.“

Mitarbeiter sollten also unbedingt instruiert werden, die Anweisungen des Räubers zu befolgen und keine Heldentaten vollbringen zu wollen.


Dem Thema Safety wird derzeit in vielen Betrieben ebenfalls noch zu wenig Bedeutung zugemessen. Das österreichische ArbeitnehmerInnenschutzgesetz sieht im § 3 ASCHG folgendes vor:

Arbeitgeber sind verpflichtet, für Sicherheit und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in Bezug auf alle Aspekte, die die Arbeit betreffen, zu sorgen. Die Kosten dafür dürfen auf keinen Fall zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. Arbeitgeber haben die zum Schutz des Lebens, der Gesundheit und der Sittlichkeit erforderlichen Maßnahmen zu treffen, einschließlich der Maßnahmen zur Verhütung arbeitsbedingter Gefahren, zur Information und zur Unterweisung sowie der Bereitstellung einer geeigneten Organisation und der erforderlichen Mittel.

Aus dieser Verpflichtung heraus sind sogenannte Sicherheits- und Gesundheitschutzdokumente für jeden Arbeitsplatz anzulegen und die Mitarbeiter in Hinblick auf mögliche Arbeitsgefahren regelmäßig und nachweislich zu unterweisen


Neben der gesetzlichen Verpflichtung birgt die Nichtbefolgung dieser Bestimmungen die erhebliche Gefahr von Regressansprüchen seitens der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, welche als gesetzliche Haftpflichtversicherung für Arbeitsunfälle anzusehen ist. Letztendlich kann dies für den Unternehmer neben der moralischen Komponente einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen bedeuten.

Ein nicht minder wichtiges Thema für Geschäftsleitung und Verantwortliche von KMU´s sollte der vorbeugendeBrandschutz samt den vorgesehenen regelmäßigen Evakuierungsübungen sein, so dass Unternehmen und Mitarbeiter auf mögliche Evakuierungen vorbereitet sind.

Zum professionellen Schutz vor intentionalen und nicht intentionalen Gefahren bedarf es in der Regel eines professionellen Sicherheitskonzeptes. In einem derartigen Konzept werden organisatorische, personelle, elektronische, mechanische und bauliche Maßnahmen betrachtet.

Risikomanagement

Als weiterer bedeutender Sicherheitsfaktor sind Notfallpläne für verschiedene Eventualitäten zu sehen. Unternehmer sollten sich gemeinsam mit ihren Führungskräften bzw. Mitarbeitern überlegen, welche Risiken in ihrem Unternehmen eintreten könnten. Diese Risken sollten eingehend betrachtet werden und entweder durch ein effizientes Risikomanagement vermieden, minimiert oder durch eine Versicherung „abgewälzt“ werden.

Fast immer bleiben Restrisken bestehen, die zu einem Notfall führen können. Diesen wird mit einem im Vorhinein erstellten Notfallhandbuch entgegengewirkt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff der Krise, wo im Vorfeld festgelegt werden soll, welche Umstände, Szenarien oder Auswirkungen für ein Unternehmen als Krise angesehen werden müssen. Durch entsprechendes Krisenmanagement sind diese Krisen professionell zu bearbeiten.

Im Fachjargon als Business Continuity und Corporate Security bezeichnet versteht man darunter ein ganzheitliches System, das zum Ziel hat, einerseits die Bedrohungen (Naturgefahren, technische Gefahren und intentionale Gefahren) für ein Unternehmen zu erkennen und zu minimieren und andererseits die Auswirkungen eines Ereignisses einzuschränken, um eine möglichst rasche Fortführung des Regelbetriebes zu ermöglichen. Im Rahmen von Business Continuity und Corporate Security werden die eigenen Sicherheitsaufgaben von Organisationen und Systemen beschrieben. Diese liegen im Eigeninteresse der Organisationen und Systeme und unterstützen ein Fortbestehen des Betriebes.

Ziel ist immer die Aufrechterhaltung bzw. die rasche Wiederherstellung des Regelbetriebes.

Einige Wirtschaftsunternehmen haben sich darauf spezialisiert, das Thema „Sicherheit für Unternehmen“ professionell zu bearbeiten und stellen sich als externe Security & Safety- Berater Bedarfsträgern, also auch KMU´s, zur Verfügung.

In Österreich gibt es derzeit keine verpflichtende Ausbildung für Security & Safety- Berater, so dass bei der Auswahl dieser Unternehmen besondere Vorsicht geboten ist.

Selbsternannte Sicherheitsexperten können einem Unternehmen mehr Schaden als Nutzen bringen. Daher gilt es, die Profession von Security & Safety-Beratern im Vorfeld zu hinterfragen, Ausbildungsnachweise einzufordern und Referenzen genau zu erfragen. Nur so kann gewährleistet sein, dass den Themen Security & Safety professionell begegnet wird.

Für die Themen Arbeitnehmerschutz und Brandschutz existiert in Österreich eine entsprechende Ausbildung. Demnach gelten jedenfalls als Präventivkräfte ausgebildete Sicherheitsfachkräfte, Arbeitsmediziner und Arbeitspsychologen als Fachleute für den Bereich ArbeitnehmerInnenschutz. Für den Bereich Brandschutz gibt es die verbindliche Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten.

Mitarbeiter sollten also unbedingt instruiert werden, die Anweisungen des Räubers zu befolgen und keine Heldentaten vollbringen zu wollen.





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